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Shell News 2009

Wir müssen die Entwicklung neuer Energietechniken beschleunigen

05/12/2009

Gastbeitrag von Shell CEO Peter Voser in “The Times”

Es mehren sich die Anzeichen für eine grundlegende Veränderung unseres Energiesystems. Getrieben von dem Wunsch nach einer sicheren Energieversorgung und der Sorge über die Erderwärmung haben sich Verbraucher, Unternehmen und Regierungen auf den langen Weg zu nachhaltigeren Energiestrukturen gemacht.

Dabei sind die politischen Entscheidungsträger diejenigen, die diese Entwicklung am ehesten beschleunigen können. Vor allem sie entscheiden bei Anlässen wie jetzt bei der Klimakonferenz in Kopenhagen darüber, ob die Veränderung der Energiestrukturen forciert wird oder ob man es bei dem derzeitigen Tempo belässt. Der Aufbau der Energiestrukturen von morgen ist eine gewaltige Aufgabe, jedoch auch ein Segen für die Verbraucher, da künftig eine viel grössere Auswahl an Energiearten - von emissionsärmeren fossilen Treibstoffen über erneuerbare Energien wie Biotreibstoffen, Windenergie und Solarenergie bis hin zu Kernkraft und Wasserstoff - zur Verfügung stehen wird. Jedes technische Gerät vom Auto bis zum Kühlschrank wird wesentlich sparsamer im Energieverbrauch sein als heute.

Manche Leute glauben, dass diese neue Energiewelt schon bald Wirklichkeit sein wird, doch das ist unrealistisch. Im letzten Jahrhundert hat jede neue Energietechnik, nachdem sie sich als praktikabel erwiesen hat, etwa 25 bis 30 Jahre gebraucht, um eine Verbreitung zu erreichen, durch die 1 Prozent des Weltenergiebedarfs gedeckt werden. Biotreibstoffe erreichen gerade diese Marke, und bei der Windenergie könnte es 2015 soweit sein - 25 Jahre nach Inbetriebnahme der weltweit ersten grossen Windparks in Dänemark und den USA.

Es dauert einfach eine gewisse Zeit, die industrielle und personelle Infrastruktur aufzubauen, die erforderlich ist, um Energie in grossem Massstab zu erzeugen. Und aus Erfahrung zu lernen. Heute haben die grössten Windkraftanlagen eine Stromerzeugungsleistung, die fast 100 mal so hoch ist wie die der Anlagen Mitte der 1980er Jahre.

Die Menschen setzen grosse Hoffnungen auf einen schnelleren Wandel in eine offensive Politik, die für die Entwicklung neuer Energietechniken vom Labor- bis zum grosstechnischen Massstab Anreize schaffen und finanzielle Hilfen bereitstellen soll. Tatsächlich konnte sich jede neue grosse Energieform seit Kohle und Öl vor allem deshalb entwickeln, weil Regierungen gezielte Hilfen gewährt und investitionsfreundliche gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen haben.

Hier geht es nicht um staatliche Subventionen für die Industrie, sondern darum, vorhandene Innovationskraft zu fördern und Unternehmen darin zu bestärken, auch dann in emissionssenkende Technologie zu investieren, wenn das Erreichen der Gewinnzone noch nicht absehbar ist.

Die Unterstützung muss sich dabei nach der Technologie und deren jeweiliger Entwicklungsstufe richten. Nehmen wir zum Beispiel die vielversprechende Technologie zur Abscheidung und sicheren unterirdischen Speicherung der CO2-Emissionen von Kraftwerken und anderen Industrieanlagen.Das Knowhow ist vorhanden, muss sich jedoch in der Praxis noch bewähren. Die Regierungen der USA, Kanada und Australien sowie verschiedener europäischer Länder haben für etwa zwei Dutzend entsprechender Pilotprojekte insgesamt mehr als 20 Milliarden USD Fördergelder zugesagt und hoffen, dass bis etwa 2015 wenigstens zehn Projekte laufen.

Auf längere Sicht wird der wichtigste Ansporn für die Entwicklung von Technologien mit geringem CO2-Ausstoss darin bestehen, dass der Ausstoss von CO2 mit einer Gebühr belegt ist. Das effektivste System ist dabei ein Handelssystem, das den Ausstoss von CO2 begrenzt und den Unternehmen einen Handel mit Emissionsrechten erlaubt, wie es der EU-Emissionshandel für Kohlendioxidemissionen bereits ermöglicht.

Doch wenn die Märkte für CO2-Emissionszertifikate - wie etwa der europäische - noch jung sind, können sie möglicherweise noch keine CO2-Preise erzeugen, die hoch genug sind, um die technische Entwicklung richtig anzukurbeln. Deshalb müssen Regierungen die Entwicklung bestimmter Technologien in den ersten Jahren möglicherweise zusätzlich fördern. So wurden in Europa etwa wegweisende Projekte für die CO2-Abscheidung und -Speicherung dadurch gefördert, dass den Betreibern zusätzliche Emissionszertifikate zugeteilt wurden, die diese weiterverkaufen konnten.

Die Unternehmen ergreifen bereits heute wichtige Massnahmen für künftig nachhaltigere Energiestrukturen, indem sie den Wirkungsgrad ihrer Anlagen verbessern und den Schadstoffausstoss senken. So haben zum Beispiel die Chemiewerke von Shell heute im Vergleich zum Jahr 2001 einen um fast acht Prozent höheren Wirkungsgrad. Ausserdem bieten wir unseren Kunden Produkte und Beratung an, die beim Energiesparen helfen und erhöhen unsere Förderung von sauberer verbrennendem Erdgas. Wenn Erdgas zur Stromerzeugung eingesetzt wird, werden im Vergleich zu Kohle 50 Prozent weniger CO2 freigesetzt. Erdgas kann die Brücke in eine Zukunft schlagen, in der erneuerbare Energien den Kinderschuhen entwachsen sind. Bis 2012 wird Erdgas mehr als die Hälfte der gesamten Förderung von Shell ausmachen.

In Kopenhagen können die Regierungen die Grundlagen für einen weltweiten politischen Rahmen schaffen, der eine Entwicklung zu nachhaltigeren Energiestrukturen erleichtert. Das ist angesichts der unterschiedlichen Standpunkte natürlich ein hochgestecktes Ziel, doch die Welt braucht und verdient echten Fortschritt auf dem Weg zu einem Abkommen mit festen Verpflichtungen zur Emissionssenkung und finanziellen Unterstützung von Entwicklungsländern, damit auch diese ihren Beitrag zur Klimawende leisten können.

Wenn die Politik mit gutem Beispiel vorangeht, können die Menschen die Entwicklung neuer Technologien zur Senkung der Treibhausgasemissionen zusätzlich voranbringen. Worauf warten wir noch?